Gabriella Hünnekens (vormals Kerler)
„Funkelnder Fernsehturm“

Um das erarbeitete Lichtkonzept des „Funkelnden Fernsehturms“ zu erklären, sind nachfolgend Grundgedanken zu Giers' Lichtphilosophie zu lesen.
Walter Giers, electronic art und Medienkünstler, entwickelt seit den 60er Jahren interaktive Objekte.
In den 70er Jahren begann Giers mit Platz- und Stadtbeschallungen. Für spezielle Events kamen statische oder bewegte Lichtereignisse dazu. Seit Ende der 80er Jahre erarbeitet er Beleuchtungskonzepte für den öffentlichen Raum. Eine wesentliche Qualität seiner künstlerischen Arbeit besteht darin, eine andere ästhetische Erfahrbarkeit der Zusammenhänge zu kommunizieren.
Das Thema Lichtkunst und Stadtbeleuchtung ist zum Boom geworden. Lichtkünstler und Stadtbeleuchter schießen wie Pilze aus dem Boden - woran soll man sich als Interessent orientieren und was sind Giers' Prämissen in Bezug auf eine gelungene Stadtbeleuchtung? Eine circa 50-jährigen Erfahrungen mit Licht im allgemein und seit 18 Jahren mit „Licht im öffentlichen Raum“ ist Giers sehr hilfreich.
Dabei ist ein wesentliches Element die sparsame Bewegung von Licht. Immerhin müssen Menschen mit erarbeiteten Lichtkonzepten - speziell bei Stadtbeleuchtungen - dauerhaft damit leben. Eine nur vordergründige Ästhetik wirkt penetrant bis nervtötend. Eine „poppige“ Daueranleuchtung von Architektur ist für Giers unerwünscht. Die Architektur hat eine eigene Farbqualität, die der Schöpfer, sprich der Architekt auch sorgfältig geplant hat. Zudem machte Giers die Erfahrung, dass programmierte, also nachvollziehbare Licht- und Tonereignisse auf Menschen langweilig wirken (siehe auch Lichtinstallationen in Las Vegas). Eine Zufallsschaltung belebt diesen unerwünschten Zustand. Um nicht missverstanden zu werden: kurzfristige Aktionen können Giers Meinung nach spektakulär und übertrieben bunt sein, jedoch keine Dauerinstallationen oder wiederkehrende Ereignisse. Vom ersten Gedanken an eine Lichtinstallation des Fernsehturms bis zur erarbeiteten Konzeption gingen einige Jahre ins Land. Unterschiedliche Ideen wurden erarbeitet, verworfen, abgeändert, wieder neu erarbeitet...bis letztendlich die nun bekannte Lichtkonzeption, nicht nur für den Fernsehturm sondern auch ganz besonders für das Stuttgarter Lebensgefühl, ausgewählt wurde. Stuttgart, die Landeshauptstadt Baden Württembergs, „brilliert“, sie brilliert durch Forschung, Technik, Wirtschaft, Kultur, Soziales, Innovationen und vieles mehr. Stuttgart, so darf man unbescheiden sagen, hält das „Zepter in der Hand“. Das von Giers erarbeitete Lichtkonzept interpretiert diesen Standpunkt.
Walter Giers hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Fernsehturm so zu illuminieren, dass kein optischer Verschleiß entsteht. „Verkünstelungen“ sowie grelle, zu bunte oder hektische Lichtinstallationen entsprechen nach Walter Giers' ästhetischem Denken nicht dem Stuttgarter Wahrzeichen.
Giers Idee ist eine Lichtdynamisierung jedoch in meditativer, verschleißfreier Form.

Die roten Lampen (für den Flugverkehr) wurden harmonisch im Gesamtkonzept mit einbezogen. Der Turmkopf wird mit Funkellampen so bestückt, dass derselbe weithin sichtbar als funkelnder Diamant erscheint. Die Lampen, durch die von Giers entworfene Elektronik, leuchten nur kurz und zufallsgesteuert, mit warmen, weichen Übergängen auf.

Dadurch entsteht ein harmonisches, weithin sichtbares Gesamtkunstwerk, welches beim Betrachter Wohlgefallen und Sympathie auslöst.

Durch die dezente Blauanleuchtung der „Halskrause“ wird die Lichtkomposition vervollständigt. Bei diesem Lichtkonzept steht der zeitlose Aspekt eindeutig im Vordergrund. Modische Erscheinungen sind schnell ausgereizt, wobei eine zeitlose Erscheinung manchmal bedeutet, ein Schritt dezent zurück zu treten.

Natürlich ist Giers auch in der Lage für spezielle Events fulminante Lichtfeuerwerke zu gestalten jedoch kann dies kaum für eine Dauerbeleuchtung des Stuttgarter Fernsehturms wünschenswert sein.

� Gabriella Hünnekens (vormals Kerler), Büro für Projekt- und Kulturmanagement.

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